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28.04.2018 | 11:00 Uhr | Vortragssaal der Albertina, Universitätsbibliothek Leipzig, Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig

Tagung "Marx und der Marxismus. Zum Verhältnis von Theorie und Praxis”

Am 5. Mai jährt sich der Geburtstag von Karl Marx zum 200. Mal. Auch wenn mit Marx nicht die Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise begann, wird sein Name inzwischen nahezu synonym mit Kapitalismuskritik verwendet. "Das Kapital", 1867 in Leipzig gedruckt und in Hamburg erschienen, gilt noch immer als die Referenz für das Verständnis des modernen Kapitalismus. Dass das Werk heute den Status eines Klassikers hat, deckt sich dabei durchaus mit Marx' eigenen Vorstellungen, beanspruchte dieser doch, mit dem "Kapital" als Erster die Analyse und Kritik der kapitalistischen Produktionsweise streng wissenschaftlich begründet und systematisch durchgeführt zu haben. Seitdem gab und gibt es immer wieder Versuche, den von Marx eingeschlagenen Weg einer Kritik der politischen Ökonomie weiterzugehen. Damit gehört Marx laut Michel Foucault zu den sogenannten Diskursivitätsbegründern. Diese seien nicht nur die Autoren ihrer Werke, sondern hätten darüber hinaus auch die Formationsregeln und damit die Möglichkeit ganz anderer Texte geschaffen. Marx habe, so Foucault, nicht nur einen Beitrag zu den Forschungsdisziplinen seiner Zeit geleistet, sondern zugleich einen Diskurs begründet, der über ihn hinausgeht und dennoch permanent auf ihn als Gründungsfigur, seine Schriften und die darin verwendeten sozialwissenschaftlichen Kategorien zurückverweist. Der "Marxismus" ist genau jener bis heute anhaltende Diskurs, der unendliche Anschlussoperationen zulässt, ohne dabei jemals die Verbindung zu seinem Ursprung zu kappen. Das Repertoire des Marxismus ist dementsprechend vielseitig: Die Anknüpfungen an Marx umfassen interne Differenzierungen, Relektüren oder Weiterentwicklungen ebenso wie die Möglichkeit der Abweichung und Abgrenzung zu seinen Texten. Die Regalmeter marxistischer Literatur bilden dabei nur die akademische Gerinnungsform; jenseits davon existieren zudem all jene Praktiken, Kämpfe und politischen Strategien – von der proletarischen Arbeiterkultur des späten 19. Jahrhunderts über die Gründung sozialdemokratischer Parteien bis hin zum Aufbau sozialistischer Staaten –, die sich bis heute auf Marx berufen. Mithin erscheint Marx in zweifacher Hinsicht als Diskursivitätsbegründer: als Autor, mit dem die theoretischen Auseinandersetzungen des Marxismus beginnen, und als Referenz, auf die man sich als Autorität beruft, um politische Praxis und normative Projekte zu rechtfertigen.
In vier Schritten soll die Verbindung von Marx und dem Marxismus rekonstruiert sowie die daraus folgende Verknüpfung von Theorie und Praxis hergestellt werden: Im ersten Block werden unterschiedliche Modi der Verschränkung von Theorie und Praxis bei Marx und in der Gegenwart vorgestellt. Im Zentrum des zweiten und dritten Blocks stehen historisch gegensätzliche Ansätze der Marx-Rezeption und ihre jeweiligen praktischen Konsequenzen: Der zweite Block konzentriert sich auf die herrschaftsstabilisierenden und -kritischen Marx- Lektüren in der DDR, während im dritten Block die Marx-Bezüge der Neuen Linken und ihrer Kritiker in der BRD im Fokus stehen. Der vierte Block bietet Raum, die unterschiedlichen Zugänge und Perspektiven zusammenzuführen und nach Gegenwartsbezügen zu fragen.

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Workshop "Was ist Kritik?" (14./15.01.2017)


"Kritik der politischen Ökonomie" – so lautet der Untertitel des Marx'schen Hauptwerkes "Das Kapital". Dass es sich dabei um eine doppeldeutige Formulierung handelt, ist oft genug betont worden. Marx' Kritik, so die gängige Interpretation, habe einerseits die Lehrmeinungen der ökonomischen Wissenschaften zum Gegenstand, andererseits aber auch die kapitalistische Gesellschaft selbst. An der Notwendigkeit einer solchen Kritik hat sich seit Marx' Zeiten wenig geändert. Sowohl die gesellschaftlichen Verhältnisse als auch ihr ideologischer Ausdruck in den wissenschaftlichen Theorien schreien geradezu nach Kritik. Unklar ist hingegen, worauf sich eine solche Kritik stützen kann. Was die Ablehnung kapitalistischer Vergesellschaftung in letzter Instanz begründet, bleibt meist im Dunkeln. Wir wollen uns deshalb in einem zweitägigen Workshop ausführlicher mit den Grundlagen der Kritik auseinandersetzen. Was bedeutet es, jemanden oder etwas zu kritisieren? Wie kann zwischen guter und schlechter Kritik unterschieden werden? Braucht es unterschiedliche Typen von Kritik für unterschiedliche Gegenstände oder gibt es ein universell richtiges Verfahren des Kritisierens? Bei der Diskussion dieser und anderer Fragen soll der Fokus auf vier besonders einflussreiche Typen der Kritik gelegt werden: 1. Die normative Kritik mit ihrer Behauptung der Existenz überzeitlicher und universeller Maßstäbe der Bewertung sozialer Praktiken; 2. die Kritik durch Darstellung und ihrem Anspruch, bei der Kritik auf normative Maßstäbe verzichten zu können; 3. die immanente Kritik mit dem Vorhaben, die kritischen Maßstäbe im Gegenstand der Kritik selbst aufzufinden und 4. die genealogische Kritik, welche den Gegenstand durch das Aufzeigen seines historischen Charakters kritisieren will. Wir haben dazu einen Reader zusammengestellt und möchten uns die Texte und deren Positionen gemeinsam mit euch aneignen. Theoretische und argumentative Unterstützung geben uns dabei Christian Schmidt (Uni Leipzig) und Robert Zwarg (Simon-Dubnow- Institut Leipzig).

Da die TeilnehmerInnenzahl begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung per Mail (kontakt@marx-expedition.de) bis zum 04.01.2017. Der Reader, ein Ablauf- und Zeitplan sowie der Veranstaltungsort werden nach erfolgreicher Anmeldung per E-mail verschickt.

Der Reader enthält folgende Texte, die zur Vorbereitung auf den Workshop zu lesen sind:

Einleitung
- Jaeggi, Rahel/Wesche, Tilo: Einführung: Was ist Kritik?, in: Was ist Kritik?, hrsg. von dens., Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 7-20, hier S. 7-13.
- Bohlender, Matthias: Was ist Kritik? Versuch einer Archäologie, in: Ideenpolitik: geschichtliche Konstellationen und gegenwärtige Konflikte, hrsg. von Harald Bluhm, Karsten Fischer und Marcus Llanque, Berlin: Akademie Verlag 2011, S. 3–18.

1. Normative o. transzendentale Kritik
- Forst, Rainer: Der Grund der Kritik. Zum Begriff der Menschenwürde in sozialen Rechtfertigungsordnungen, in: Was ist Kritik?, hrsg. von Rahel Jaeggi und Tilo Wesche, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 150-164.

2. Nicht-normative Kritik o. Kritik durch Darstellung
- Heinrich, Michael: Die Wissenschaft vom Wert: die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, Münster: Westfälisches Dampfboot 2006, S. 372-384.

3. Immanente Kritik
- Jaeggi, Rahel: Kritik von Lebensformen, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2014, S. 257-309.

4. Genealogische Kritik
- Saar, Martin: Genealogische Kritik, in: Was ist Kritik?, hrsg. von Rahel Jaeggi und Tilo Wesche, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009, S. 247-265.
- Honneth, Axel: Einleitung: Genealogie als Kritik, in: Michel Foucault. Zwischenbilanz einer Rezeption. Frankfurter Foucault-Konferenz 2001, hrsg. von dems. und Martin Saar, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003, S. 117-121.

Veranstaltungsort: Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V., Harkortstraße 10, 04107 Leipzig



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